Wie ist es eigentlich mit FEMINISMUS in der FÜHRUNGSEBENE?

Seit einem Jahr poste ich jeden Freitag auf Instagram einen „Feminism Friday“. Ich suche mir ein Thema, was ich als Feministin für wichtig und verbreitungsrelevant halte und bereite es in einigen Story-Slides auf. Von Buch- und Videoempfehlungen, über Studien, Porträts und Worterklärungen zu meiner persönlichen Meinung und Gedanken ist alles dabei.

Für mich muss sich nicht jedes Gespräch um das Thema Feminismus drehen, dennoch finde ich es wichtig darüber zu sprechen. Dafür muss zuallererst geklärt werden, was Feminismus überhaupt bedeutet.

Feminismus ist eine politische Ideologie und soziale Bewegung, die ausgehend auf kritischer Analyse der Gesellschaftsordnung Gleichberechtigung fordert und sich gegen Sexismus und Diskriminierung einsetzt. Das bedeutet nicht, dass das weibliche Geschlecht sich über das männliche stellen möchte. Es bedeutet, dass die Geschlechter gleichgestellt sein sollen. Gesellschaftliche Normen und Strukturen sollen durchbrochen werden, um jedem Individuum eine gleiche Chance zu geben.

Ich bin FEMINISTIN.

So viel grundlegend zum Feminismus.

Mir passiert es häufig in Diskussionen zum Thema Feminismus, dass ich nicht ernst genommen werde. Dass meine Meinung und Einstellung auf manipulierbaren – dennoch wissenschaftlich fundierten – Grundlagen basiert und ich ja noch keine Erfahrung, insbesondere in der Arbeitswelt, hätte. Dem kann ich teilweise zustimmen. Aber eben nur teilweise. Meine Überzeugung des Feminismus basiert auf dem Bestreben, unabhängig von Alter, Geschlecht und Interessen, in der Gesellschaft respektiert zu werden.

„Women belong in all places where decisions are being made. … It shouldn’t be that women are the exception. .“

Ruth Bader Ginsberg

Nun, da ich seit gut drei Monaten in einem Innovationsprojekt eines großen deutschen Medienhauses tätig bin, kann ich meine Gesellschaftskritik noch besser fundiert darlegen.

Dazu möchte ich konkret auf die Besetzung von Führungspositionen und das Verhalten einiger Männer in Meetings eingehen.

Aktuell bin ich etwas einmal pro Woche in einem Meeting dabei. Das geht von Abteilungsebene bis hin zu Treffen mit Führungskräften der deutschen Verlagsbranche. Nicht nur ist stets die Anzahl der weiblichen Teilnehmenden extrem gering, auch kommen diese Frauen seltener zu Wort. Hierzu hat eine Projektmanagerin gesagt, Konferenzen der Führungskräfte seien die einzigen Veranstaltungen, bei denen die Toilettenschlange der Damen wenig bis nicht vorhanden ist. Und Frauen müssten darauf achten, nicht schwarz gekleidet zu sein, sonst würden sie auf diesen Konferenzen gar nicht auffallen. Das schockiert mich. Nicht, dass mir das komplett neu ist, dennoch ist es erschreckend und beängstigend.

MÄNNER und FRAUEN

arbeiten anders.

Ich finde empirisch betrachtet bieten Meetings eine hervorragende Basis für psychologische Beobachtungen. Allein die Redeanteile zwischen Männern und Frauen zu messen ist extrem interessant. Auch wenn hier – oh Überraschung – der männliche Sprachanteil deutlich höher ist. Was ich erlebt habe, ist aber auch worüber geredet wichtig, es bietet Aufschluss auf die unterschiedlichen Arbeitsweisen zwischen den Geschlechtern. Die Frauen, die ich bisher in Meetings erlebt habe, sind stets sehr zielorientiert. Sie melden sich zu Wort, wenn sie fachlich etwas beizutragen haben, sind stärker an dem Vorankommen der Projekte und strukturiertem Arbeiten interessiert. Sie fokussieren sich auf ihre eigenen Aufgaben und Zuständigkeiten.

Ein Großteil der Männer verhalten sich in Meetings anders. Sie führen ihre Standpunkte stets aus. Auch wenn nicht nach der jeweiligen Meinung gefragt wurde. Haben sie Bedenken, werden diese geäußert, oftmals ungeachtet der Position und des eigenen Kompetenzbereiches. Besonders Frauen gegenüber stellen sie Fähigkeiten in Frage oder geben ihre „Mansplaining“-Künste zum Besten. Zu Lasten der Frau natürlich.

Während diese Frauen fokussiert arbeiten und vorankommen möchten, versuchen die Männer ihre Macht zu testen und zu verfestigen. Aber wozu? Wozu müssen sie ihre Macht beweisen, wenn doch die Aufgaben, Positionen und Kompetenzen klar verteilt sind? Funktionieren Teams nicht besser, wenn jede*r seinen/ihren Bereich hat?

Ich wünsche mir, dass sich das in den nächsten Jahren verändert. Dass ich aufgrund meines Könnens ernst und wahrgenommen werde. Und nicht, weil ich eine Frau bin. Und dazu zählt auch, dass ich mich nicht auf Sprüchen wie „Aber ich bin doch eine Frau“ ausruhe. Ich koche sehr gern, aber genauso gern setze ich mich abends mit einem Bier aufs Sofa. Und Geschlechterrollen sind doch sowieso sowas von 20. Jahrhundert.

In diesem Sinne,

Happy FEMINISM FRIDAY everyone.

Ein Jahr jeden Freitag, ein bisschen proud bin ich ja schon.

Liebe Grüße, Bussi Baba,
Lili

Text: Schleebach, Lili. Bild: unsplash.com

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