5. Semester ist Praktikumssemester. Nach vier Semestern theoretischen Grundlagen, Teamarbeit, praktischen Projekten, und Konzepten für fiktive Kampagnen haben wir MedienmanagerInnen die Möglichkeit in die Arbeitswelt reinzuschnuppern und unsere erlernten Kompetenzen in der Praxis zu zeigen. Wie wir dieses halbe Jahr erlebt haben? Das erzählen euch zehn Sechstis, die frisch aus dem Praktikum wieder zurück an der FH sind – wenn auch nur virtuell in diesem Semester. Heute mit:

Alex Praktikum im

JOURNALISMUS beim BR und der Mainpost

In welcher Branche und bei welchem Unternehmen hast du deine Praktika gemacht?
Mein Praxissemester stand ganz im Namen des Journalismus: Zuerst war ich beim Bayerischen Rundfunk, der Bayerischen Landesrundfunkanstalt, in München. Hier habe ich vor allem im Bereich des Fernsehjournalismus gearbeitet, unter anderem für die Politikredaktion des Fernsehmagazin Kontrovers und die Jugendprogrammredaktion PULS. Danach ging es für mich weiter bei der Mediengruppe Main-Post in Würzburg, hier habe ich in der Regionalredaktion mitgewirkt.

Wie lang gingen deine einzelnen Praktika?
Insgesamt habe ich 22 Wochen hospitiert. 12 davon beim Bayerischen Rundfunk, zehn weitere Wochen bei der Main-Post. 

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Gründung BR
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MitarbeiterInnen BR
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Teammitglieder BR

Wann hast du dich auf die Praktika beworben und wie lief der Bewerbungsprozess ab?
Ich habe Anfang April begonnen, die ersten Bewerbungen rauszuschicken, insgesamt waren es sieben Stück. Im Mai kamen dann die ersten Rückmeldungen, unter anderem eine Einladung zum Bewerbungsgespräch vom BR in München. Da der BR von Vornherein mein Favorit war, sagte ich zu und fuhr im Juni nach München ins Funkhaus. (Achtung: die Fahrtkosten werden nicht übernommen!) Das Gespräch selbst fand mit fünf weiteren Bewerbern statt. Nach einer Vorstellungsrunde wurde über persönliche Wünsche und Vorstellungen zur Hospitanz gesprochen, danach gab es eine kurze Führung durch das Funkhaus und abschließend musste jeder einen Sprechtest im Studio absolvieren, für den man im Vorhinein einen eigenen Text vorbereiten sollte.

Hier ist vielleicht wichtig zu erwähnen: Die Hospitanz beim BR ist auf maximal drei Monate beschränkt und es ist vorgesehen, dass man jeden Monat eine andere Redaktion kennenlernt.  Außerdem kann man sich beim BR nicht auf eine konkrete Stelle bewerben. Das heißt, man gibt zwar seine Wunschredaktionen an (in meinem Fall PULS) – ob und wie lange man dort am Ende landet, ist jedoch unsicher. Ich hatte Glück: Im Juli kam die Rückmeldung, dass ich angenommen wurde und sogar zwei der drei Monate in der AV-Redaktion von PULS verbringen würde.

Damit war für mich jedoch auch klar, dass ich mir eine weitere Praktikumsstelle suchen muss. Da mich neben dem TV-Journalismus auch der Print- und Online-Bereich interessierte, habe ich mich dann noch um ein redaktionelles Praktikum bei der Main-Post in Würzburg beworben. Hier ging dann alles ganz schnell und unkompliziert: nach nur drei Tagen bekam ich eine Einladung zum Bewerbungsgespräch und direkt die Woche darauf fand es auch schon statt. Das Gespräch war sehr offen und herzlich und konzentrierte sich auf meine bisherigen Erfahrungen und Interessensgebiete. Danach wurde mir die Möglichkeit gegeben, einem Volontär meiner „zukünftigen“ Redaktion Fragen zu stellen, gleich im Anschluss bekam ich auch schon die Zusage.

Daneben hatte ich noch ein weiteres Bewerbungsgespräch bei einer TV-Produktion in München. Hier bekam ich zwar auch eine Zusage, jedoch waren die geringe Bezahlung und die meines Erachtens schlechten Arbeitsbedingungen ein Ausschlusskriterium für mich. 

Werden deine Praktika regelmäßig angeboten oder handelte es sich um eine Initiativbewerbung?
Beide Praktika sind das ganze Jahr über auf den Websites der Unternehmen ausgeschrieben. 

Warum hast du dich für diese Praktika entschieden?
Da ich bereits während meines Studiums mein Interesse für den Journalismus entdeckt hatte, war für mich klar, dass ich während meines Praxissemesters so viele Einblicke wie möglich in die verschiedenen Bereiche der redaktionellen Arbeit bekommen wollte. Die Mischung aus TV-, Online- und Print-Journalismus schien mir hierfür perfekt. 

„Bei solch einem Weltrekordversuch mitzuhelfen ist sicher nicht alltäglich und es war extrem interessant, die Dimensionen einer solchen Produktion live mitzuerleben. Letzten Endes haben wir den Rekord sogar gebrochen – ein Moment, den man so schnell wohl nicht mehr vergisst.“

Was waren deine Aufgaben?
Während meiner Zeit beim BR stand vor allem das Produzieren von Magazinbeiträgen und Reportagen im Mittelpunkt. Während sich bei Kontrovers alles vor allem um politische Berichterstattung drehte, reichten bei PULS die Themen von Unterhaltung über Popkultur bis hin zu Politik. Dabei wurde ich meist einem Autor zugeteilt, dem ich dann bei der Umsetzung seines Beitrags half. Das heißt: Recherche von Hintergrundinfos und Protagonisten, Konzeption von Beiträgen, Planung und Koordination von Drehs und die gesamte Postproduktion der Beiträge samt Schnitt, Texten, Vertonung und Mischung. Außerdem nahm ich an Redaktionssitzungen teil, pitchte dabei regelmäßig eigene Themenvorschläge und begleitete diverse Live-Aufzeichnungen der Sendungen.

Bei der Main-Post lag der Fokus dann vor allem auf dem Schreiben von Artikeln für das Online-Angebot und die Tageszeitungen der Main-Post. Die Regionalredaktion hat ihren Themenschwerpunkt vor allem auf dem kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Geschehen in Unterfranken. Ich recherchierte zu verschiedensten Themen, nahm regelmäßig an Pressekonferenzen und Presseterminen teil und führte täglich zahlreiche Interviews mit Ansprechpartnern der Region. 

Wie groß war dein Team? Mit wie vielen Menschen hast du zusammen gearbeitet?
Die Kontrovers-Redaktion besteht aus ca. zehn Mitarbeitern. PULS besteht aus einem Team von mehr als 40 Mitarbeitern, die PULS TV-Redaktion selbst hat circa zehn Mitglieder. Die Zusammensetzung der Teams wechselt jedoch immer wieder, da beim BR viele freie Mitarbeiter tätig sind. Außerdem arbeitet man immer wieder mit verschiedenen externen Kamerateams und Cuttern zusammen. Bei der Regionalredaktion der Main-Post waren wir ein festes Stamm-Team aus 14 Mitarbeitern, außerdem hatte man ständigen Kontakt mit der Online-Redaktion, dem Themenmanagement und Fotografen. 

Wie war die Stimmung?
Ich habe mich glücklicherweise in allen drei Redaktionen sehr wohl gefühlt. In allen herrschte ein offener Umgang und „per Du“ war man eigentlich stets mit jedem im Team. Während bei Kontrovers  und der Main-Post meine Kollegen im Durchschnitt um die 45 Jahre alt waren und der Umgang etwas „konservativer“ war, lag der Altersdurchschnitt bei PULS bei circa 26 Jahren, wodurch ein eher freundschaftliches Verhältnis entstand. Wie auch das Format PULS sind die Teammitglieder hier größtenteils sehr alternativ und urban eingestellt. Einen Dresscode gab es nirgendwo. Sowohl bei der Main-Post und bei Kontrovers waren die Hierarchien klar abgetrennt in Chefredaktion, Redaktionsleitung und Redakteure. PULS stach auch hier heraus: egal ob Chefredakteurin oder Chef vom Dienst, hier war man stets per Du und wichtige Entscheidungen wurden in wöchentlichen Meetings mit der gesamten PULS Einheit gemeinsam diskutiert und gefällt. 

 Was hat dich am meisten überrascht während deiner Praktika?
Obwohl ich wusste, dass freie Mitarbeit gehäuft in der Branche vorkommt, war ich doch überrascht (und auch ein bisschen schockiert), wie wenige Festanstellungen es beim Bayerischen Rundfunk mittlerweile gibt. So war der Großteil meiner Mitarbeiter lediglich als „12A“-ler, also feste freie Mitarbeiter, oder als Pauschalisten angestellt. Feste Übernahmechancen gibt es hier kaum.

Was waren deine Hauptlearnings?
Zum einen konnte ich meine Fähigkeit verbessern, bei einem vollen Arbeitsplan Prioritäten zu setzen und den Tag so zu strukturieren, dass man mehrere Themen gleichzeitig unter einen Hut bekommt. Durch das regelmäßige Feedback und die Hilfestellungen meiner Kollegen lernte ich außerdem, was es heißt, Informationen hieb- und stichfest zu recherchieren, geeignete Ansprechpartner auszuwählen und Quellen gewissenhaft zu validieren. Zum anderen konnte mein Konzeptionsvermögen deutlich verbessern, sodass es mir zum Ende hin um einiges leichter fiel, Beiträge für den Rezipienten logisch und verständlich aufzubauen. Auch mein Auftreten auf Außenterminen und in Interviewsituationen wurde mit der Zeit immer sicherer. Dank des Feedbacks und zahlreicher Tipps der Redakteure konnte ich darüber hinaus meinen Schreibstil grundlegend verbessern. Außerdem erfuhr ich, was es heißt, unter Aktualitätsdruck zu arbeiten und lernte, auch in Stresssituationen einen kühlen Kopf und Übersicht zu bewahren.

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Was war dein coolstes Projekt / dein coolster Moment?
Während der ersten Wochen bei PULS stand vor allem eines im Mittelpunkt meiner Arbeit: Ein Weltrekordversuch für die längste Talkshow der Welt. Meine Redaktion hatte sich zum Ziel gesetzt, im Rahmen ihres YouTube-Formates „Das schaffst du nie!“ den Rekord bei Guinness World Records zu brechen. Insgesamt 72 Stunden lang sollte die Talkshow ununterbrochen live im Fernsehen und als Stream auf Youtube übertragen werden. Im Vorfeld der Sendung mussten wir die Auftritte von 72 Gästen vorbereiten, Moderationen schreiben und Show-Acts organisieren. Von Anfang an durfte ich Verantwortung übernehmen und  auch während der Live-Übertragung in der Regie mitarbeiten. Bei solch einem Weltrekordversuch mitzuhelfen ist sicher nicht alltäglich und es war extrem interessant, die Dimensionen einer solchen Produktion live mitzuerleben. Letzten Endes haben wir den Rekord sogar gebrochen – ein Moment, den man so schnell wohl nicht mehr vergisst. 

Was war deine größte Herausforderung?
Auf jeden Fall die Arbeit unter Druck. Gerade in der tagesaktuellen Berichterstattung kann es sein, dass man nur extrem wenig Zeit für die Produktion seiner Beiträge hat. So kann es sein, dass man zwischen Pressetermin und Abgabedeadline gerade mal ein – zwei Stunden hat – hier einen kühlen Kopf zu bewahren und nicht in Stress zu verfallen, ist nicht immer einfach. 

Was sind deine Tipps an andere PraktikantInnen?
Bewerbt euch früh genug, wenn möglich schon im März, denn viele Medienunternehmen vergeben ihre Halbjahres-Plätze schon sechs Monate im Voraus. Auch beim BR lohnt es sich früh dran zu sein, hier ist der Bewerberandrang sehr hoch und die Stellen schnell besetzt. 

Wenn man in seiner Zeit möglichst viele Facetten der redaktionellen Arbeit sehen möchte, lohnt sich ein Praktikum in einem breitgefächerten Rundfunkanstalt wie dem BR – egal ob TV, Hörfunk oder Online, ob Produktion oder Postproduktion, man kann in jeden Bereich ein mal hereinschnuppern und lernt verschiedenste Arbeitsweisen der Redaktionen kennen. Will man dagegen möglichst viel selbst machen, lohnt sich wohl eher ein Praktikum in einem kleinen Medienunternehmen wie der Main-Post. Hier wird man oft von Anfang an mit viel Verantwortung betraut und als „vollwertige Arbeitskraft“ gesehen, während man in großen Unternehmen oft eher seinen Kollegen zuarbeitet und nur vereinzelt komplette Beiträge übernimmt. 

Bei der Frage, ob man die sechs Monate auf zwei Unternehmen aufteilen möchte, sollte man sich bewusst sein, dass man bei jeder Stelle erst einmal eine gewisse Eingewöhnungszeit braucht bis man die gesamte Struktur und Arbeitsweise der Redaktionen versteht. Damit wird einem in gewisser Maßen Zeit „weggenommen“ und man taucht nie so tief in den Arbeitsalltag eines Unternehmens ein, wie wenn man ganze sechs Monate dort verbringt. Dennoch bereue ich meine Entscheidung nicht, gleich drei Redaktionen kennengelernt zu haben – so ist es mir nun möglich, Vergleiche zu ziehen und so zu entscheiden, auf welche der Bereiche ich mich stärker fokussieren möchte und auf welche nicht. 

Text: Alexandra Lyttwin. Bild: unsplash.com

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