5. Semester ist Praktikumssemester. Nach vier Semestern theoretischen Grundlagen, Teamarbeit, praktischen Projekten, und Konzepten für fiktive Kampagnen haben wir MedienmanagerInnen die Möglichkeit in die Arbeitswelt reinzuschnuppern und unsere erlernten Kompetenzen in der Praxis zu zeigen. Wie wir dieses halbe Jahr erlebt haben? Das erzählen euch zehn Sechstis, die frisch aus dem Praktikum wieder zurück an der FH sind – wenn auch nur virtuell in diesem Semester. Heute mit:

Lilis Praktika in

DER STRATEGIEENTWICKLUNG DER DPA UND DEM AUSWÄRTIGEN AMT

In welcher Branche und bei welchem Unternehmen hast du dein Praktikum gemacht?
Die dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH ist ein unabhängiger Dienstleister für multimediale Inhalte. Die Nachrichtenagentur versorgt als Marktführer in Deutschland tagesaktuelle Medien aus dem In- und Ausland. Während meines viermonatigen Praktikums im Berliner Newsroom am Checkpoint Charlie war ich in der Strategieentwicklung und dem Produktmanagement tätig.

Das Auswärtige Amt vertritt die Interessen Deutschlands in der Welt, es fördert den internationalen Austausch und bietet Deutschen im Ausland Schutz und Hilfe. Für sieben Wochen habe ich in der Abteilung 1-DA, der Internationalen Diplomatenausbildung, das Global Diplomacy Lab unterstützt. Das ist ein Netzwerk aus internationalen DiplomatInnen und AktivistInnen, die sich gemeinsam für innovative Diplomatiekonzepte einsetzen. Während meines Praktikums war ich insbesondere für Websitebetreuung, Mitgliederkommunikation, Videoschnitt und der Projektleitung einer AR-Publikation zuständig.

Wie lang ging dein Praktikum?
dpa: 1. September 2019 – 31.Dezember 2019
Auswärtiges Amt: 2. Januar 2020 – 20. Februar 2020

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Wann hast du dich auf das Praktikum beworben und wie lief der Bewerbungsprozess ab?
Bei der dpa wurde ich über Meinolf Ellers dem Chief Digital Officer vorgeschlagen. Ich hatte ihn nach einer Podiumsdiskussion angesprochen und Kontaktdaten mit ihm getauscht. Nachdem ich mich für das sehr nette Gespräch bedankt und ihm meinen Lebenslauf per Mail habe zukommen lassen, gab er mir den Kontakt von Katja Fleischmann, meiner späteren Vorgesetzten. Sie lud mich im Juni zu einem Kennenlerngespräch nach Berlin ein und sagte mir bereits nach einer halben Stunde, dass sie gerne mit mir zusammenarbeiten würde. Zwei Wochen später habe ich zugesagt.

Parallel wartete ich noch auf Rückmeldungen zu meinen anderen Bewerbungen bei einer Female Creative Agency, dem Goethe-Institut Brüssel und Kopenhagen und Wikimedia. Insgesamt habe ich knapp acht Initiativbewerbungen versendet, eine davon wurde mit einer Absage kommentiert, alle anderen blieben unbeantwortet.

Für mein zweites Praktikum in der Internationalen Diplomatenausbildung (Abteilung 1-DA) des Auswärtigen Amtes, habe ich mich über die zentrale Bewerbungsplattform praktikanteninland.diplo.de beworben. Ursprünglich wollte ich in der Öffentlichkeitsarbeit von September bis Januar arbeiten, hierfür hatte ich mich im März beworben. Eine Zusage habe ich im November erhalten für einen möglichen Praktikumsstart im Dezember bis März des Folgejahres. Nach einigen Mails und Anrufen, konnte ich das Praktikum beim Auswärtigen Amt von Anfang Januar bis Ende Februar absolvieren. Dafür musste ich mit meiner Vorgesetzten und dem HR der dpa eine Verkürzung meines ersten Praktikums verhandeln. Da meine Chefin der Überzeugung war, dies eine einmalige Chance für mich und sie mich darin unbedingt unterstützen möchte, ließ sich alles sehr unkompliziert regeln und ich konnte im Januar beim Auswärtigen Amt starten.

Wird dein Praktikum regelmäßig angeboten oder handelte es sich um eine Initiavtivbewerbung?
Die dpa bietet seit einiger Zeit keine Praktikumsstellen mehr an, da nach dem Fall Relotius und einem ähnlichen Vorkommen in einem Auslandsbüro auf PraktikantInnen größtenteils verzichtet wird, um die Qualität und Richtigkeit der Texte zu gewähren. Da ich Teil des Performing Content Teams und somit losgelöst vom Tagesgeschäft der dpa war und eine Empfehlung von Herrn Ellers hatte, wurde eigens eine Praktikumsstelle geschaffen.

Das Auswärtige Amt im Gegensatz bietet in den meisten Bereichen Praktika an. Tatsächlich gibt es in der Zentrale in Berlin so viele PraktikantInnen, dass diese eigene Stammtische und Veranstaltungen haben. Allerdings kann man bei seiner Bewerbung keine Abteilung fest auswählen, sondern lediglich Präferenzen angeben. Wo man am Ende landet kann man also nicht direkt beeinflussen.

Warum hast du dich für dieses Praktikum entschieden?
Bei der dpa hatte ich einfach ein gutes Gefühl. Katja hatte mir bereits im Kennenlerngespräch sehr positives Feedback gegeben und mir gesagt, sie würde gerne mit mir arbeiten. Das hat direkt einen offenen und freundlichen Eindruck gemacht und ich hatte mich nicht als Praktikantin, sondern als Mitgliedes des Teams gesehen. Außerdem schrieb sie mir am Folgetag eine Mail und bedankte sich für das nette Gespräch.

Für das Praktikum beim Auswärtigen Amt habe ich mich erst nach langem Hin und Her entschieden. Der Zeitraum machte meine ganzen Pläne zunichte und ich hätte keine Pause zwischen den Praktika und dem Semesterbeginn. Letzten Endes sagte ich zu, da ich einerseits sehr frei in der Wahl meines Zeitraumes war und das Gefühl hatte, dass die für mich zuständige Ansprechpartnerin auch den Anspruch hatte mich in einem Team unterzubringen, in dem ich meine Fähigkeiten einbringen konnte. Andererseits wollte ich mir die Chance auch nicht entgehen lassen, einmal beim Auswärtigen Amt gearbeitet zu haben.

„Zu meinen Aufgaben zählten vor allem Layouten von Dossiers und Präsentationen, Themenrecherche, Erstellen von Zielgruppensystematiken, das Schreiben von zielgruppenspezifischen Texten mit entsprechender Ansprache, Bildrecherche und -auswahl, sowie Kennzahlenanalyse und Auswertungen der KPIs.“

Was waren deine Aufgaben?
Bei Performing Content der dpa war ich Teil eines strategischen, europäischen Innovationsprojektes, das versucht eine präzisere Zielgruppenansprache durch das Anpassen an Emotionswerte in den Texten zu erreichen und somit Kunden an sich zu binden.
Zu meinen Aufgaben zählten vor allem Layouten von Dossiers und Präsentationen, Themenrecherche, Erstellen von Zielgruppensystematiken, das Schreiben von zielgruppenspezifischen Texten mit entsprechender Ansprache, Bildrecherche und -auswahl, sowie Kennzahlenanalyse und Auswertungen der KPIs.
Da ich beim Auswärtigen Amt mit meinem Medienstudium eher der bunte Vogel in der Mischung aus Politik- und Lehramtsstudierenden war, wurde ich zu Beginn mit der CMS Pflege, dem Erstellen eines neuen Layouts für E-Mail-Digests und Videoschnitten beauftragt. Danach kam noch die Projektleitung und Koordination einer geplanten Publikation hinzu. Hierfür stellte ich die Kommunikation zwischen meiner Abteilung, Agentur, AR-Programmierer und Redakteurinnen her und erarbeitete und konzipierte die Inhalte.

Wie groß war dein Team? Mit wie vielen Menschen hast du zusammen gearbeitet?
Bei der dpa habe ich gemeinsam mit meiner Chefin und einer Kollegin gearbeitet. Wir haben das Kernteam des Projektes gebildet. Zusätzlich haben wir mit verschiedenen unternehmensinternen Teams und externen Kooperationspartner gearbeitet. Dazu zählen zb Fotoagentur Zentralbild GmbH, dpa-FotografInnen, Programmierer und unsere Ansprechpartner der kooperierenden Lokalzeitungen. Zusätzlich standen wir in regem Austausch mit dem zweiten Teil des Projektes in Finnland. Im September gab es ein großes Treffen mit allen europäischen Projektpartnern in Hamburg, bei dem ich dabei sein durfte.
Im Auswärtigen Amt war ich dem Global Diplomacy Lab (GDL) mit drei Festangestellten, einer studentischen Hilfskraft und zwei Praktikanten zugeteilt. Das GDL ist der Internationalen Diplomatenausbildung Abteilung 1-DA untergeordnet, bei dem je nach Anzahl aktueller Lehrgänge zwischen 30 und 50 Personen arbeiten.

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Gründung
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MitarbeiterInnen
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Teammitglieder
Auswärtiges Amt

Wie war die Stimmung?
Innerhalb meines Teams der dpa habe ich mich sehr wohl gefühlt, wir gingen meist gemeinsam Mittagessen, sprachen auch über Privates und haben uns generell sehr gut verstanden. Besonders schön war es, dass ich als Teammitglied eingebunden und so auch in Meetings vorgestellt wurde und nicht als „Praktikantin“. In den meisten Runden wurde ich sehr herzlich und offen aufgenommen.
Da sich bei dpa (bis auf die Führungsebene) alle duzen und mit Vornamen ansprechen, war die Kommunikation untereinander sehr entspannt.

Ganz gegenteilig war es beim Auswärtigen Amt. Hier habe ich schon Wochen vor Praktikumsbeginn Verhaltensleitfäden und Kleidungsvorschriften erhalten. Da ich vorher keinen einfarbigen Anzug besaß, musste ich im Winter meinen Kleiderschrank nochmal business-fein machen. Auch wenn die Stimmung bei 1-DA vergleichsweise sehr leger war, wurde trotzdem auf einen angemessenen Umgang und Kleidung geachtet. Innerhalb meines GDL-Teams wurde sich jedoch geduzt und auch mal abends auf ein Bierchen getroffen. Absprachen liefen hier auch unkomplizierter ab. Bei Regelungen, Fotoausleihen etc. stand die Bürokratie dennoch oftmals im Weg.

Was hat dich am meisten überrascht während deines Praktikums?
Dass viele Menschen nicht gut in Teams arbeiten können. Und dass mir wirklich viele MM-Inhalte was gebracht haben. Zum Beispiel HTML und Statistik.

Was waren deine Hauptlearnings?
Nur weil jemand im Unternehmen über dir steht, heißt das nicht, dass die Person mehr Ahnung hat.

Was war dein coolstes Projekt / dein coolster Moment?
Um 15 Uhr unter der Woche im Auswärtigen Amt im Anzug zu stehen und einen Wein zu trinken. War zwar auch ein besonderer Empfang, dennoch unvergesslich!

Was war deine größte Herausforderung?
In meiner ersten Woche beim Auswärtigen Amt ohne Briefing zum Meeting mit der Agentur zu gehen. Da habe ich erstmal vier Tage an einer Grobstruktur für die Publikation gearbeitet, um nicht mit leeren Händen aufzutauchen.

Was sind deine Tipps an andere PraktikantInnen?
Ich würde im Nachhinein meine Aufgaben klarer definieren und abgrenzen lassen! Außerdem sollte man regelmäßig Feedback einfordern und sich nicht so sehr stressen lassen – es ist immerhin nur ein Praktikum zu einem Hungerlohn.

Text: Lili Schleebach. Bild: unsplash.com

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