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Fotografie von Nick Fewings auf unsplash

Würzburger definieren Recycling neu - Interview mit Martin Körner & Christian Schärf

Recycling ist ein Thema, mit dem jede: r im Laufe seines Lebens in Berührung kommt. Laut der Website Terracycle bezeichnet man als Recycling „den Prozess der Wiederaufbereitung von weggeworfenen Wertstoffen zu einem neuen Produkt“. Recycelt werden können Rohstoffe wie Metall, Plastik, Glas, Papier, Batterien oder auch Textilien. Bevor der wertstoffhaltige Müll recycelt werden kann, wird er erst mal sortiert. Doch nur durch effizient und effektiv arbeitende Sortieranlagen kann Recycling optimal durchgeführt werden.

Hier kommt „WeSort.AI“ ins Spiel: Das in Würzburg ansässige Start-up hat sich zur Aufgabe gemacht, das Problem der Müllsortierung vor dem Recycling anzugehen. Dafür haben die vier Gründer im Oktober 2021 den Würzburger Start-up-Preis in der Kategorie „Global-Hero“ verliehen bekommen. Heute unterhalte ich mich mit Martin Körner und Christian Schärf, zwei der Gründer des Start-ups, um dem Geheimnis hinter der „Revolution des Recyclings“ auf den Grund zu gehen

Hallo Martin Körner und Christian Schärf, vielen Dank, dass ihr euch für unser heutiges Interview Zeit genommen habt!

Euer Start-up dreht sich um die Entwicklung einer Müllsortieranlage zur Vereinfachung des Recyclings. Wie habt ihr euch als Gruppe zur Gründung des Start-ups „Wesort.ai“ gefunden

Martin: Schon länger hatten zwei Freunde von mir namens Nathanael Laier und Johannes Laier und ich mit dem Gedanken gespielt, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Wichtig für uns war auch, etwas Sinnvolles dabei zu tun und so haben wir uns gefragt, was eigentlich mit dem Gelben Sack passiert. Ziemlich schnell sind wir auf eine Youtube Doku gestoßen, die das Thema des Gelben Sacks von der Abholung zur bisher recht schlechten Sortierung in Müllsortieranlagen erklärt hat. Direkt haben wir gemerkt, dass auf dem Gebiet der Müllsortierung mit unserer Expertise in KI und Objekterkennung noch super viel zu machen ist. So kam es dazu, dass wir den Betreiber der Müllsortieranlage aus der YouTube Doku direkt kontaktiert haben, um die Anlage einmal vor Ort anschauen zu können. Dieser hat uns eingeladen und so sind wir mit ihm ins Gespräch gekommen und haben dabei herausgefunden, dass unsere Idee gut ankommt und er auch viel Potential viel Potential in unserer Technologie sieht. Diese Idee haben wir durch weitere Interviews ausgereift und dann im Mai 2021 unseren Job gekündigt. Wir haben gemerkt, dass wir mit diesem Projekt einen sinnvollen Beitrag leisten können, dabei eine Vision verfolgen und es uns Spaß macht. Im Juni kam noch Christian als Technologieführer zu unserem Team, da wir gemerkt haben, dass wir noch eine Person mit seinen Fähigkeiten brauchen. So sind wir dann mit vier Gründern ins Rennen gegangen und sind jetzt da, wo wir heute stehen.

Das hört sich an, als bildet ihr ein tolles Team, das sich auch mit ihren vorhandenen Fähigkeiten gut ergänzt!Während der Entwicklung eurer neuen Müllsortiertechnik habt ihr euch viel mit bisher bestehenden Anlagen auseinander gesetzt. Wenn ich das richtig sehe sortieren diese automatisch, doch können keine fest miteinander verbundenen Materialkombinationen wie ineinander gestapelte Joghurtbecher trennen, weshalb händisches Nachsortieren oftmals nötig ist.

Eure Anlage arbeitet mit Kameras und künstlicher Intelligenz.Christian, was bewirkt der Einsatz von künstlicher Intelligenz und welche Vorteile ergeben sich daraus?

Christian: Herkömmliche Anlagen können nur punktuell Materialien erkennen. Wenn aber zum Beispiel eine PET-Flasche ein Papier-Sleeve (Papierhülle) hat, dann wird das Papier erkannt und die Flasche kann nicht korrekt sortiert werden. Durch den Einsatz von optischen Kameras und Computer Vision (computerbasiertes Sehen zur Objekterkennung) kann die Flasche jedoch als solche erkannt werden. Auch sind dadurch weitere Informationen wie Beschädigungen und der Verschmutzungsgrad zugänglich.

Außerdem wollen wir zukünftig nicht nur die Erkennung, sondern auch die Absortierung mittels Druckluftdüsen durch KI ermöglichen. Dadurch kann die Maschine selbstständig lernen, wie die Düsen angesteuert werden müssen, um bestimmte Objekte zu sortieren.

Eure Anlage soll also wesentlich effizienter als bisher vorhandene arbeiten und so ein verbessertes Recycling in größeren Mengen ermöglichen. Sie scheint viel Energie und CO2 zu sparen, was sich positiv auf das Klima auswirkt. Euch ist es wichtig, als „Stimme für die Umwelt“ aufzutreten.

Welchen Einfluss hat der Klimaschutz für euch und euren Start-up?

Christian: Nachhaltiges Wirtschaften bedeutet mehr als CO2-Einsparungen. Wir wollen mit unserem Start-up vor allem darauf hinwirken, durch die Wiederverwendung von Materialien mit den Ressourcen unseres Planeten sparsamer umzugehen. Aber natürlich wird auch der CO2-Ausstoß verringert, wenn Abfälle recycelt anstatt verbrannt werden.

Das klingt nach einem Ziel, das gerade in Zeiten des Klimawandels und hohen Ressourcenverbrauch von großer Bedeutung ist und von anderen sichtbar gewürdigt wird. Gegründet habt ihr euer Start-up im September 2021 – ein Monat später bekommt ihr schon den Würzburger Start-up-Preis verliehen. Außerdem werdet ihr vom bayrischen Staat und auch der EU zur Umsetzung eures Projektes unterstützt. Seid ihr schon da, wo Sie sein wollt? Falls nicht: Wie stellt ihr euch die Zukunft eures Start-ups vor?

Christian: Derzeit stehen wir noch weit am Anfang. Bei der Entwicklung von Algorithmen zur Erkennung haben wir dieses Jahr bereits große Fortschritte erzielt, hier wollen wir zukünftig nicht nur RGB-Kameras, sondern auch Hyperspektralkameras verwenden, die sich noch besser zur Identifikation von Materialien eignen. Weiterhin steht die Entwicklung von KI-gesteuerten Sortiermechanismen an. Langfristig wollen wir uns so zum Anbieter von KI-basierten Sortiermaschinen weiterentwickeln.

Für die Zukunft eures Start-ups wünsche ich euch viel Erfolg, eure gesetzten Ziele zu erreichen! Meine letzte Frage an euch: Habt ihr einen Tipp an unsere Leser: Innen, wie wir durch unser Handeln einen Beitrag zum Recycling leisten können?

Martin: Generell gilt, auf Plastikmüll zu achten und diesen zu reduzieren, so dass dieser nicht überhandnimmt. Beim Kauf ist wichtig, kein schwarzes Plastik zu kaufen, da dieses Sortiermaschinen aktuell nicht erkennen und so nicht sortieren können. Gerne werden diese vor allem bei Beauty Produkten für Männer eingesetzt, da dies anscheinend marketingtechnisch gut ankommt.

Ein großer Beitrag kann auch durch das Abziehen der Aludeckel von Bechern geleistet werden. Denn wenn an einem Joghurtbecher noch der Aludeckel hängt, wird er in der Müllsortieranlage mit in den magnetischen Aluminium-Stoffstrom einsortiert und dann verbrannt, obwohl der Becher eigentlich recycelt werden könnte. Damit kann man als Privatperson gut anfangen – für den Rest geben wir uns Mühe die Sortierung deutlich zu verbessern.

 

Vielen Dank an Martin Körner und Christian Schärf für das aufklärende Interview.

Euer WueMove Team

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