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Parkplätze, die ein halbes Vermögen kosten plus Parkverbot in der Innenstadt

- Ein Kommentar

Dass die Parksituation in Würzburg nicht hervorragend ist, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Doch das soll in gar nicht so weit entfernter Zukunft geändert werden.
Die neue Verkehrskoalition im Würzburger Stadtrat hat große Pläne für die Würzburger Innenstadt, genau genommen für den Bischofshut. Hier sollen über 750 Oberflächenstellplätze abgeschafft werden und am Rande sollen „neue“ Parkgaragen entstehen, um sämtliche Parkmöglichkeiten zu bieten.

Eigenfotografie Marie Hartmann

Jetzt stellt sich natürlich die Frage „Was ist der Bischofshut?“ Normalerweise ist das eine Kopfbedeckung die Bischöfe tragen, auch bekannt als Mitra. Aber Spaß bei Seite, mit Bischofshut ist hier der Bereich zwischen Mainkai, Juliuspromenade, Theaterstraße, Balthasar-Neumann-Promenade und Neubaustraße gemeint. Zieht man auf einer Karte diese Punkte zusammen, entsteht die Form eines Bischofshuts.

Um zum Thema zurückzukommen: Auf dem Gelände des Bürgerspitals soll eine Parkgarage mit über 200 Stellplätzen entstehen. Außerdem beginnen im nächsten Jahr die Planungen für ein Park&Ride-Parkhaus in der Sanderau. Mindestens 120 Parkplätze sollen hier geschaffen werden.
Es werde aber nicht nur neue Parkgaragen geben, auch wenn sich das im ersten Moment so anhört. Das Quellenbachparkhaus zum Beispiel soll ungefähr 440 neue Stellplätze dazu bekommen und verfügt somit über 1000 Parkmöglichkeiten.
Soweit so gut, hört sich erst mal nicht schlecht an. Allerdings hat jede positive Seite auch immer eine weniger positive Seite.
Mit den ungefähr 750 neuen Stellplätzen werden auch 750 alte Stellplätze vernichtet und abgebaut. Innerhalb des Bischofshuts gibt es knapp 270 Anwohnerparkplätze, die auf 330 erhöht werden. Zudem dürfen dann auch Menschen mit Einschränkungen diese Plätze nutzen. Somit sind dies die einzigen Personengruppen, die in der Innenstadt noch auf der Straße parken dürfen. Das gibt es so in Deutschland noch nicht.
Natürlich kommt die Frage auf, wo denn die restlichen parkplatzsuchenden Mitmenschen ihr Auto platzieren dürfen. Diese dürfen nur noch in den Parkgaragen am Markt, Wöhrl, Neubaustraße, Mitte und Alter Kranen parken.
Jetzt könnte man sagen ungewohnt, aber grundsätzlich machbar. Andererseits steigen auch die Preise und damit meine ich nicht die stetig steigenden Spritpreise oder die Preise der Produkte vom Gemüsehändler um die Ecke. Nein, die Parkgebühren sollen teurer werden. Zurzeit kostet das Parken in einer Parkgarage rund 1,70 € pro Stunde und ist damit zehn Cent günstiger als der Parkplatz in der Würzburger Innenstadt. Werden die Straßenparkplätze weniger, so ist das Parken in öffentlichen Garagen nicht teurer. Wenn es denn so bleiben würde. Denn die Verkehrskoalition plant einen neuen Tarif. Wenn sich das durchsetzt, kostet eine Stunde am Straßenrand parken 2,40 € und im Parkhaus 2 €. Von außen nach innen werden die Preise immer höher. Wird das Auto am Stadtrande geparkt ist es demnach günstiger als im Zentrum.
Diese Preiserhöhung ist heftig, aber es gibt ja noch die rund 1000 Parkplätze an der Würzburger Talavera. Mit ein bisschen Glück findet sich da ein noch kostenloser Parkplatz. Richtig, „noch“, denn laut Antrag sollen diese auch kostenpflichtig werden. Ebenso die Parkplätze der Umweltstation und am Ludwigkai sowie am Gericht sollen bald gebührenpflichtig werden. Lediglich die zeitbeschränkten Parkplätze am Ringpark, an der Regierung (ab 16:30 Uhr) und am Dallenbergbad sollen auch in Zukunft kostenlos bleiben.

Nach so viel negativen Input gibt es aber auch noch einen kleinen positiven Aspekt für die Innenstadtparker. Bis jetzt fehlen dem Konzept sämtliche Daten und Fristen, bis wann einzelne Punkte umgesetzt werden sollen.

Nun gibt es natürlich auch die Menschen, die einen festen Parkplatz in Würzburg besitzen und sich entspannt zurücklegen und dem Ganzen freudig entgegensehen. Das ist ja auch verständlich, aber gerade in einer Universitätsstadt wie Würzburg sollten die Student:innen doch nicht vergessen werden, oder? Einen eigenen Parkplatz können wir Student:innen uns überhaupt nicht leisten und wenn dann die bisherigen kostenfreien Parkplätze zu kostenpflichtigen Parkplätzen werden, gibt es für uns kaum noch Möglichkeiten. „Student:innen können doch die ÖPNV nutzen“ ist eine Aussage, die dann von parkplatzbesitzenden Mensch getroffen wird. Das ist auch richtig und dies wird auch von vielen Student:innen in Anspruch genommen. Aber zum Beispiel für bestimmte kreative Projekte der Hochschule ist es eventuell mal erforderlich sperrige, zerbrechliche oder schwere Objekte zu transportieren und diese betroffene Person muss dann länger in die Münzstraße, zum Ein- und Ausladen stehenbleiben oder auch öfters wiederkommen. Wenn dann überhaupt ein Stellplatz gefunden wird, vielleicht auch erst nach mehreren Runden der Parkplatzsuche. Es wird schon viel Energie in das Projekt für die Hochschule gesteckt und neben den hohen Spritpreisen geht auch noch eine Menge Geld für Parkgebühren drauf. Da fragt sich doch jeder Student und jede Studentin, ob das noch fair ist.

Auch wenn ich selber der ganzen Sache eher skeptisch entgegenblicke und erst mal nur die Moneten aus meiner Brieftasche flattern sehe, gibt es dennoch auch schöne Seiten. Dadurch, dass viele Oberflächenparkplätze abgeschafft werden sollen, soll ein Teil der freigewordenen Fläche zur Grün- und Spielfläche werden. Außerdem können sich viele Fahrradfahrer:innen freuen, denn es sollen ebenfalls neue Fahrradstellplätze entstehen. Obendrein gibt es zudem Pluspunkte für die Innenstadt selbst. Hier soll die Anzahl an Sitzgelegenheiten steigen. Parallel ist von einer Verbesserung der Straba-Taktung die Rede.

Letztendlich bin ich gespannt, wie sich das ganze Thema in nächster Zeit entwickelt. Ganz ausgereift sind die Pläne meiner Meinung nach nicht. Was nicht bedeuten muss, dass sie schlecht sind. Auf gute Ansätze müssen heiße Diskussionen und reichliche Überlegungen folgen, um am Ende mit einem zuverlässigen Konzept zu überzeugen.

 

Eure Marie vom WueMove Team

Ein Kommentar von Marie Hartmann

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