WER?

WÜRZBURGER

„Ich bin auch manchmal neidisch“

Ein Einblick in das Leben eines Profisportlers

Ein normaler Samstag-Abend im Januar. Während der Großteil der Medienmanagement-Student:innen wenige Tage vor den Prüfungen panisch versucht, sich den Unterschied von Pixel- und Vektorgrafiken zu merken, hat Julius Böhmer meist einen orangefarbenen Ball in der Hand. Denn er ist Profibasketballer bei s.Oliver Würzburg und steht regelmäßig auf dem Parkett. Wie er zum Basketball kam, welche Schattenseiten das Profi-Geschäft mit sich bringt und welche persönlichen Ziele er hat, erfahrt ihr im exklusiven Interview mit ihm. 

Julius Böhmer ist 20 Jahre alt und spielt seit der Saison 2020/2021 in der höchsten deutschen Basketball-Liga. Im Durschnitt spielt er diese Saison sieben Minuten pro Partie, sorgt für 1,4 Punkte und 1,1 Vorlagen und hat erst im September seinen Vertrag um zwei Jahre verlängert.  

Via Skype hatte ich die Möglichkeit, mit ihm zu sprechen und ihm meine zahlreichen Fragen zu stellen. 

Anna-Lena: Hallo Julius! Dein Spitzname in der Basketball-Bubble ist der „Würzburg Youngstar“, weil du alle Nachwuchs-Akademien von s.Oliver Würzburg durchlaufen hast. Zurzeit spielst du sowohl im Regionalliga-Team von s.Oliver Würzburg als auch in der Bundesliga. Wie kamst du eigentlich zum Basketball? 

Böhmer: Mit sechs Jahren habe ich mit meinem Vater auf dem Freiplatz angefangen und irgendwann kamen in der Schule dann bei Schul-AGs die Trainer von den Baskets. So bin ich zum Basketball gekommen. 

 

Warst du dann als Kind selbst mal beim Basketball und hast zugeschaut?  

Ich bin größter Fan gewesen (*lacht)! Ich war jedes Mal im Stadion, auch schon in der zweiten Liga als die Würzburger aufgestiegen sind. Und dann immer in den Rängen. 

 

Du bist also schon früh mit dem Sport in Kontakt gekommen. War der Fokus bei Dir immer auf Basketball gelegen oder hast du auch mal überlegt nebenbei zum Beispiel zu studieren? 

Ich will auf jeden Fall noch studieren! Das ist der feste Plan. Ich weiß nur noch nicht, was. Man braucht auch etwas für den Kopf, weil nur Basketball spielen und nur Sport machen, … Da verdummt man irgendwann. 

 

Wann hast du dann das erste Mal gemerkt, dass du auch auf einem professionellen Level Basketball spielen kannst?  

Ich glaube, der erste Moment, bei dem ich dachte, dass es vielleicht klappen könnte, war mit 16. Da bin ich zur U16-EM mitgefahren, also zur Nationalmannschaft. Aber selbst da schaffen es nicht alle.
Dann wahrscheinlich letztes Jahr als ich zum ersten Mal bei den Profis mittrainieren durfte. Das war wahrscheinlich der Moment. 

 

Wie ist das Gefühl für Deutschland auftreten zu dürfen und damit zu den Besten seines Jahrgangs zu zählen? 

Ist ganz cool (*lacht). Es erfüllt einen natürlich schon mit Stolz und fürs eigene Land zu spielen, ist, glaube ich, von jedem kleinen Kind der Traum. 

 

In der letzten Saison bist du dann sogar in den Profi-Kader aufgenommen worden. Wie war das Gefühl, zu wissen, jetzt könntest du bald in der ersten Basketball-Bundesliga spielen? 

Ich hatte, glaube ich, ein bisschen Glück im Unglück. Mit dieser Corona-Situation und dann auch mit Verletzungen [der Team-Kameraden – Anm. d. Red.]. Dadurch konnte ich auch spielen. Ich habe im Sommer, während wir Abitur geschrieben haben und alle im Lockdown waren, schon ein bisschen individuell mit den Trainern von der Bundesliga trainiert und das hat sich so langsam abgezeichnet. Es war dann fest der Plan, dass ich mit im Kader bin. Das ist fast noch cooler als Nationalmannschaft in der Jugend zu spielen, weil es die Heimatstadt ist. Das bedeutet einem natürlich auch viel. 

Du meintest, du möchtest auf jeden Fall noch studieren. Hast du auch in Bezug auf Basketball Ziele, die du unbedingt erreichen willst? 

Das werde ich so oft gefragt und ich habe nie eine richtige Antwort. Ich will irgendwann mal europäisch spielen. Das wäre so ein Traum. Ob es jetzt Euro-League oder Champions-League oder EuroCup ist, das kann ich noch nicht wissen. Aber ich würde auf jeden Fall gerne europäisch spielen. 

 

Aktuell dürfen nur noch Geisterspiele stattfinden. Nimmt man als Spieler auf dem Feld wahr, dass 3000 Zuschauer:innen fehlen? 

Man merkt auf jeden Fall, dass sie nicht da sind, vor allem in Heimspielen, wenn man von den Fans empfangen wird. Das motiviert einen nochmal extra. Aber es ist teilweise auch besser. Dann hat man weniger Druck und kann freier aufspielen. Wenn man einen Fehler macht, ist es nicht so schlimm. Weil man zumindest denkt, dass es nicht so viel gesehen wird, wie, wenn 3000 Leute das direkt wahrnehmen. 

 

Apropos Druck: In eurem ersten Ligaspiel gegen Oldenburg standest du direkt in der Starting-Five, hattest schnell zwei Ballverluste und wurdest wieder ausgewechselt. Wie baut man sich nach solchen Situationen wieder auf? 

Schwierig. Vor allem jetzt, wenn man nicht so viel Erfahrung hat wie ich. Man versucht zu vergessen. Das ist glaube ich das, was am besten hilft. Ich habe auch mit Teamkameraden geredet, die mir dann auch immer positives Feedback geben und sagen, dass man da nicht drauf hören soll und es sowieso nur der Anfang ist 

Seit deinem Beginn bei s.Oliver Würzburg spielst du immer erfolgreicher Basketball und sammelst viele Erfahrungen. Welche negativen Seiten des Profisports musstest du mit steigendem Erfolg bereits kennenlernen? 

Der Druck nimmt natürlich zu. Mich persönlich betrifft das noch nicht so krass, aber ich habe schon von Teammates mitbekommen, die Morddrohungen bekommen haben, nur weil sie ein schlechtes Spiel gespielt haben.
Ich habe auch oft mitbekommen, dass Leute ihren Körper mit dem Profisport ein bisschen kaputt machen. Das ist bei mir natürlich noch nicht so. Ich bin noch jung. Mir geht’s noch gut, aber ich habe da teilweise Leute gesehen, vor allem große Menschen, die sich dann im Alltag nicht mehr so gut bewegen können. 

 

Fällt es dir manchmal schwer, wenn Freund:innen feiern gehen und du absagen musst, weil du morgen früh Training hast? 

Ja klar, auf jeden Fall. Jeder, der das macht, weiß, wie viel er teilweise opfern muss. Vor allem auch in der Jugend, wenn andere feiern gegangen sind, dann ist man eben nicht feiern gegangen. Und auch jetzt noch. Es fällt schon schwer. Ich bin auch manchmal neidisch. Aber ich habe nach der Saison drei Monate frei, in denen ich dann mal die Sau rauslassen kann, wenn ich will. 

 

Lass uns zum Ende noch einen Blick auf unsere Stadt werfen. Du bist gebürtiger Würzburger und unser Blog dreht sich um die Stadt Würzburg. Hast du Geheimtipps für junge Leute, wo man seine Zeit in Würzburg gut verbringen kann? 

Puh, Geheimtipps… Ich würde nicht Geheimtipps sagen. Wohnzimmer finde ich immer gut. Insgesamt ist die Sanderstraße immer ganz witzig, wenn da ein bisschen Trubel ist (*grinst). Und dann am Main einen Kaffee trinken. Aber da ist auch immer voll. Ich glaube, das ist kein wirklicher Geheimtipp. 

 

Unser Blog steht auch unter dem Motto „Was bewegt Würzburg?“. Was bewegt Dich denn an Würzburg? 

Da muss ich kurz nachdenken… Mich bewegt die Stadt insgesamt. Dass wir so viele Möglichkeiten haben. Für so eine kleine Stadt wie Würzburg haben wir trotzdem alles, was man so braucht fürs Leben. Vor allem für Studenten ist es eigentlich ganz cool. Dass man alles auf einem Fleck hat und trotzdem ist es nicht zu groß. Ich glaube, das bewegt mich am meisten. 

 

Lieber Julius, vielen Dank für das Gespräch. 

Danke, dass ich dabei sein durfte. 

 

Euer WueMove-Team 

Ein Beitrag von Anna-Lena Mark 

Wenn ihr durch das Interview Lust bekommen habt, euch einmal selbst von Julius‘ Spielkünsten zu überzeugen, habe ich einen kleinen Geheimtipp für euch: Während die erste Basketball-Bundesliga auf Zuschauer:innen verzichten muss, darf das Regionalliga-Team von s.Oliver Würzburg weiterhin vor Publikum spielen.  

Durch die aktuellen Regeln dürfen 50 Besucher:innen mit 2G-Plus-Nachweis zu den Spielen in die Feggrube kommen. Also, worauf wartet ihr noch? Ab in die Halle. 

 

Den Spielplan findet ihr hier: https://www.basketball-bund.net/index.jsp?Action=101&liga_id=32832  

 

Ihr möchtet alle Details zur Vertragsverlängerung von Julius wissen? Hier der Mainpost-Artikel vom 08. September 2021: https://www.mainpost.de/sport/wuerzburg/julius-boehmer-bleibt-den-baskets-treu-art-10655985   

 

Fotografie von Viktor Meshko 

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